Das Herz rutscht einem in die Hose: Man bereitet gerade seine Bewerbungsunterlagen vor oder möchte sich für ein Studium einschreiben, und plötzlich ist es weg – das Abiturzeugnis, das Bachelor-Zertifikat oder das wichtige Arbeitszeugnis vom letzten Arbeitgeber. Der Verlust eines Zeugnisses ist extrem ärgerlich, aber kein Grund zur Panik.
In diesem Artikel erfahren Sie Schritt für Schritt, wie Sie Ersatz beschaffen, welche Kosten auf Sie zukommen und warum Sie jetzt schnell handeln sollten.
Warum ein Original-Zeugnis so wichtig ist
Zeugnisse sind in Deutschland die wichtigste Währung auf dem Arbeitsmarkt. Sie dienen als rechtssicherer Nachweis über Ihre Qualifikationen. Zwar reichen im ersten Schritt einer Bewerbung oft digitale Kopien oder Scans aus, doch spätestens bei der Vertragsunterzeichnung oder bei Behördengängen wird oft das Original oder eine beglaubigte Kopie verlangt.
Schritt 1: Ruhe bewahren und gründlich suchen
Bevor Sie die Behörden kontaktieren, sollten Sie alle Eventualitäten ausschließen. Haben Sie das Zeugnis vielleicht:
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In der alten Schule oder Uni zur Beglaubigung abgegeben?
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In einem Ordner für Versicherungen oder Steuern abgelegt?
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Noch in der Mappe Ihrer letzten Bewerbung?
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Bei Ihren Eltern im Archiv gelagert?
Wenn das Dokument definitiv unauffindbar ist (oder durch Brand oder Wasserschaden zerstört wurde), müssen Sie Ersatz beantragen.
Schritt 2: Die zuständige Stelle kontaktieren
Die Faustregel lautet: Die Stelle, die das Zeugnis ausgestellt hat, ist auch für den Ersatz zuständig.
1. Schulzeugnisse (Abitur, Realschule, etc.)
Wenden Sie sich direkt an das Sekretariat Ihrer ehemaligen Schule. Die meisten Schulen bewahren Unterlagen über Jahrzehnte auf (oft 40 bis 50 Jahre).
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Problem: Die Schule existiert nicht mehr? In diesem Fall ist das zuständige Schulamt oder das Landesarchiv Ihres Bundeslandes der richtige Ansprechpartner.

2. Universitäts- und Hochschulzeugnisse
Hier ist das Prüfungsamt Ihrer Hochschule zuständig. Da Universitäten heute digitaler arbeiten, ist die Wiederbeschaffung hier meist unkompliziert, solange die Archivierungsfristen nicht überschritten sind.
3. Arbeitszeugnisse
Bei einem verlorenen Arbeitszeugnis sollten Sie die Personalabteilung Ihres ehemaligen Arbeitgebers kontaktieren.
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Wichtig: Es gibt keinen gesetzlichen Anspruch auf eine Zweitausfertigung nach vielen Jahren. Meistens sind Arbeitgeber jedoch kulant und stellen eine Kopie aus, sofern die Unterlagen noch im Archiv (Aufbewahrungsfrist meist 10 Jahre) vorhanden sind.
4. Berufsabschlüsse (IHK/HWK)
Haben Sie Ihren Gesellenbrief oder IHK-Abschluss verloren? Hier helfen die jeweiligen Kammern weiter. Diese stellen gegen eine Gebühr eine Ersatzbescheinigung aus.
Schritt 3: Ersatzbescheinigung vs. Zweitschrift
Wundern Sie sich nicht: Sie erhalten in der Regel kein neues „Original“ im Sinne des ursprünglichen Dokuments. Stattdessen erhalten Sie eine Zweitschrift oder eine Ersatzbescheinigung. Diese trägt einen Vermerk, dass sie das Original ersetzt, ist aber rechtlich genauso viel wert und wird überall anerkannt.
Was kostet die Wiederbeschaffung?
Die Ausstellung von Ersatzdokumenten ist leider nicht kostenlos. Die Gebühren variieren stark je nach Institution und Bundesland:
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Schulzeugnisse: ca. 20 € bis 60 €.
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Hochschulzeugnisse: Oft teurer, zwischen 30 € und 100 €.
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IHK-Bescheinigungen: Meist zwischen 30 € und 80 €.
Zusätzlich können Kosten für die Beglaubigung anfallen, falls Sie direkt mehrere rechtssichere Kopien benötigen.

Sonderfall: Zeugnisverlust bei Diebstahl
Falls Ihnen Ihre Unterlagen gestohlen wurden (z. B. Einbruch oder Diebstahl der Tasche), sollten Sie dies unbedingt bei der Polizei melden und eine Anzeige erstatten. Die Diebstahlsanzeige kann manchmal helfen, die Gebühren für die Ersatzausstellung bei Behörden zu reduzieren oder dient als Nachweis, warum das Original fehlt.
Tipps für die Zukunft: So beugen Sie vor
Damit Ihnen dieser Stress in Zukunft erspart bleibt, sollten Sie folgende drei Sicherheitsmaßnahmen ergreifen:
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Digitale Sicherung: Scannen Sie alle Zeugnisse in hoher Auflösung ein und speichern Sie diese an zwei verschiedenen Orten (z. B. externe Festplatte und eine sichere Cloud).
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Beglaubigte Kopien: Lassen Sie sich einmalig einen Satz Kopien amtlich beglaubigen (beim Bürgeramt oder Pfarrbüro). Lagern Sie diese getrennt von den Originalen.
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Feuerfeste Dokumentenmappe: Investieren Sie in eine Tasche, die Schutz vor Feuer und Wasser bietet. Hier gehören Geburtsurkunden, Pässe und eben Zeugnisse hinein.
Ein verlorenes Zeugnis ist kein Weltuntergang. Dank der langen Archivierungspflichten in Deutschland lassen sich fast alle Bildungs- und Arbeitsnachweise rekonstruieren. Der wichtigste Schritt ist der Anruf bei der ausstellenden Institution. Je früher Sie sich kümmern, desto entspannter können Sie Ihrer nächsten Bewerbung entgegensehen.










